Nicolai


Nicolai
Nicolai
 
[niko'laɪ, 'nɪkolaɪ],
 
 1) Carl Otto Ehrenfried, Komponist und Dirigent, * Königsberg (heute Kaliningrad) 9. 6. 1810, ✝ Berlin 11. 5. 1849; Schüler von C. F. Zelter; wurde 1841 Hofkapellmeister in Wien und begründete die Philharmonischen Konzerte; ab 1847 Dirigent des Domchors und Kapellmeister der Königlichen Oper in Berlin. Mit seinem Hauptwerk »Die lustigen Weiber von Windsor« (1849, nach Shakespeare) schuf er den komischen Typus der deutschen romantischen Oper.
 
 
U. Konrad: O. N. 1810-1849. Studien zu Leben u. Werk (1986).
 
 2) Christoph Friedrich, Schriftsteller und Verleger, * Berlin 18. 3. 1733, ✝ ebenda 8. 1. 1811; 1752 Eintritt in Verlag und Buchhandlung des Vaters, ab 1758 deren Leiter. Ab 1784 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München und ab 1799 in Berlin. Seine »Briefe über den itzigen Zustand der schönen Wissenschaften in Deutschland« (1755) brachten ihn in Verbindung mit G. E. Lessing und M. Mendelssohn, mit denen er einen »Briefwechsel über das Trauerspiel« (herausgegeben und kommentiert von J. Schulte-Sasse, 1972) unterhielt. 1757 gründete er die Zeitschrift »Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste«, die ab 1759 von C. F. Weisse geleitet wurde, 1759 folgten die gemeinsam mit Lessing und Mendelssohn herausgegebenen »Briefe, die neueste Litteratur betreffend«, die dann 1765 von der Allgemeinen Deutschen Bibliothek abgelöst wurden. Nicolai war ein Vermittler im gelehrten und literarischen Leben der Spätaufklärung und eine der führenden Persönlichkeiten des deutschen Buchhandels. Seine Kritik an I. Kant und J. G. Fichte, den Sturm-und-Drang-Autoren, J. G. Herder, F. H. Jacobi, J. K. Lavater, G. A. Bürger und dem frühen Goethe ging von einem aufklärerischen Verständnis von Literatur und Philosophie aus, das stärker deren Bildungs- und gesellschaftliche Nützlichkeitsfunktion betonte. Nicolais Parodien (u. a. »Freuden des jungen Werthers. ..«, 1775) und seine Satiren auf die Ausdrucksästhetik Herders und des Sturm und Drang (»Eyn feyner kleyner Almanach. ..«, 3 Bände, 1777-78) lösten eine heftige Literaturfehde u. a. mit den Brüdern A. W. und F. Schlegel, Fichte, F. W. J. Schelling, Goethe und Schiller aus. Satirische Tendenzen gegen pietistische Strömungen, Schwärmerei und Mystizismus prägten auch Nicolais Romane (so »Das Leben und die Meinungen des Herrn Magisters Sebaldus Nothanker«, 3 Bände, 1773-76; »Geschichte eines dicken Mannes. ..«, 2 Bände, 1794). Die »Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, im Jahre 1781. ..« (1783-96, 12 Bände) ist kulturgeschichtlich bedeutsam.
 
Ausgabe: Gesammelte Werke, herausgegeben von B. Fabian und M.-L. Spieckermann, auf 21 Bände berechnet (1753-1820, Nachdruck 1985 ff.).
 
 
H. Möller: Aufklärung in Preußen. Der Verleger, Publizist u. Geschichtsschreiber F. N. (1974);
 P. J. Becker u. a.: F. N. Leben u. Werk, Ausst.-Kat. (1983);
 
F. N., 1783-1811. Essays zum 250. Geburtstag, hg. v. B. Fabian (1983).
 
 3) Philipp, lutherischer Theologe und Kirchenliederdichter, * Mengeringhausen (heute zu Arolsen) 10. 8. 1556, ✝ Hamburg 26. 10. 1608; war ab 1596 Pfarrer in Unna, ab 1601 in Hamburg; verfasste antikalvinistische Streitschriften sowie Erbauungsschriften; wurde v. a. durch seine 1599 unter dem Titel »Frewden Spiegel dess ewigen Lebens« erschienenen Kirchenlieder »Wie schön leuchtet der Morgenstern« und »Wachet auf, ruft uns die Stimme« bekannt.
 
 
A. M. Steinmeier-Kleinhempel: »Von Gott kompt mir ein Frewdenschein«. Die Einheit Gottes u. des Menschen in P. N.s »Frewden Spiegel dess ewigen Lebens« (1991).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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